Für die PraxisWissenswertes

Das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Dieser Beitrag wurde von unserer Autorin Vivien Peuler erstellt.

Vorwort

Friedemann Schulz von Thun hat ein Modell der Kommunikation entwickelt. Es beinhaltet herauszufinden, wie Nachrichten bei dem Empfänger ankommen bzw, auf welchem der vier “Ohren” gehört und versenden wird. Nachrichten werden versucht zu analysieren und zu entschlüsseln.

Um Näher in die Materie einzusteigen und diese später Beispielhaft zu erläutern, beginne ich mit einem Fallbeispiel. (Hier in diesem Beispiel Melanie)

Fallbeispiel


Während eines Praktikums bemüht sich Melanie stets, den Kindern in Gesprächen ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, indem sie angeschaut werden, sich auf Augenhöhe begeben wird und sie ihre volle Zuwendung bekommen,wenn Melanie mit den Kindern spricht. Des Weiteren weiß Melanie aber auch, dass sie eine Vorbildfunktion als Sprachvorbild ist.

Melanie ist sehr verärgert darüber, dass eine andere Praktikantin die Kindern in Gesprächen nur selten anschaut und nur knapp mit ja oder nein antwortet – und das zudem in einer sehr gedehnten Tonlage. Nachdem Melanie die Praktikantin auf ihr nicht angemessenes Verhalten gegenüber den Kindern anspricht, verspricht sie nun täglich ihr Verhalten zu reflektieren. Melanie erkennt in den folgenden 2 Tagen jedoch keine Verhalten. Sie sollen nun das Gespräch mit der Kindergartenleitung suchen.

Die 3 Arten der Kommunikation

Nachdem wir nun das Fallbeispiel als Grundlage besitzen, erkläre ich zunächst die 3 Arten der Kommunikation und werde diese Beispielhaft mit Textstellen aus dem Fallbeispiel benennen.

Verbale Kommunikation:

Unter verbaler Kommunikation kann man die rein sprachliche und schriftliche Kommunikation verstehen. Ein wesentlicher Aspekt für diese Art von Kommunikation ist das Zuwenden zu dem Gesprächspartner und das direkte Anschauen.

Aus dem Fallbeispiel:

“…miteinander sprechen”

“…den Kindern ansprechen…”

Nonverbale Kommunikation:

Nonverbale Kommunikation beinhaltet die Gestik und Mimik in einem Gespräch oder einem Verhalten. Wenn eine Person in einem Wartezimmer auf den Boden schaut, signalisiert sie, dass sie keinen Kommunikationsbedarf hat.

Aus dem Fallbeispiel:

“…selten anschaut…”

“…indem sie sich anschauen…”

“…sich ihnen zuwenden…”

Paraverbale Kommunikation

Paraverbale Kommunikation beinhaltet die Tonlage des Sprechers, ob er die Stimme hebt oder senkt, weinend oder schreiend kommuniziert.

Aus dem Fallbeispiel:

“…knapp mit ja oder nein antwortet…”

“…sehr gedehnte Tonlage.”

Das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Friedemann Schulz von Thun hat ein Modell der Kommunikation entwickelt. Es beinhaltet herauszufinden, wie Nachrichten bei dem Empfänger ankommen bzw, auf welchem der vier “Ohren” gehört und versenden wird. Nachrichten werden versucht zu analysieren und zu entschlüsseln. Dabei hat Schulz von Thun die 4 Ohren mit unterschiedlichen Namen betitelt. Zum besseren Verständnis habe ich ein Schaubild erstellt.

Schulz von Thun Modell

 

Ich möchte das Schaubild nun anhand der Skizze und der folgende Aussage beispielhaft erläutern:

"Du hör mal, so wie du mit den Kinder sprichst, das geht gar nicht!"

Apellebene

Was möchte ich dem Empfänger ausdrücken, was er tun soll?

Der Sender spricht das Problem an.

“…so wie du mit den Kindern sprichst, das geht gar nicht!” Der Empfänger soll dieses Verhalten ändern und wird darauf hingewiesen. Eine “du sollst” Botschaft.

Selbstkundgabe

Was gibt der Sender über sich und seine Gefühle preis?

Der Sender drückt aus, dass er dieses Verhalten nicht unterstützt und mag. Er ist verärgert und/oder genervt,

Sachinhalt

Was vermittel ich? Worum geht es?

Der Sender vermittelt und äußert, warum es geht, indem er es direkt anspricht. Das Gesprächsverhalten ist In Ordnung.(z.B.) Insgesamt läuft dieses Gespräch komplementär ab. Sie ist der Praktikantin in dieser Aussage überlegen.

Beziehungsebene:

In welchem Verhältnis stehen die Gesprächspartner zueinander?

Der Sender spricht den Empfänger mit “Du” an. Darauf kann man deuten, dass diese beiden Seiten sich kennen und ein nähere Beziehung zueinander haben. Das Gespräch verläuft komplementär von der Senderseite aus.

Praxisbeispiel

Nachdem ich nun die Theorie erklärt habe, stelle ich nun einen Brief vor, wo Melanie der Kindegartenleitung ihr Anliegen mitteilen muss. Dabei muss sie ihre Gefühle zum Ausdruck bringen und begründen, warum dieses Gespräch mit der anderen Praktikantin geführt werden muss. In Diesem Brief können die Anreden der Kindergartenleitung und der Praktikantin natürlich durch Namen ersetzt werden.

 

Sehr geehrte Frau Kindergartenleitung,

ich möchte mich einmal in schriftlicher Form an Sie wenden.

Mir ist ein Verhalten, welches ich schon angesprochen habe, bei der Praktikantin aufgefallen. Ich habe versucht ihr zu vermitteln, dass sie sich den Kindern in einem Gespräch zuwenden muss und in vollständigen Sätzen antworten solle. Sie versprach mir gegenüber, dieses Verhalten zu ändern  und darauf zu achten. Mich macht das traurig, da sie dies nicht getan hat und gleichzeitig verärgert mich dieses Verhalten. Für die Kinder ist eine gute und vollständige Kommunikation wichtig, da sie sich in einer bedeutenden Phase ihrer sprachlichen Entwicklung befinden. Meiner Meinung nach muss und sollte ein Gespräch mit der Praktikantin geführt werden.

Es wird ihr und vor allem den Kindern helfen. Ich bedanke mich für Ihre Zeit und Ihr Verständnis.

Mit freundlichen Grüßen,

Melanie

Vom Du zum Ich

Lasst uns abschließend noch einmal die folgende Aussage als Grundlage nehmen:

“Du hör mal, so wie du mit den Kinder sprichst, das geht gar nicht!”

und dieses DU durch eine Ich Botschaft ersetzen. Wie konkret würde sich sich das äußern?

Lasst folgende Gegenüberstellung auf euch wirken. Sie drücken beide das Gleiche aus, sind aber verschieden kommuniziert. In der Praxis passiert es uns immer wieder, dass wir DU Botschaften, statt ICH Botschaften senden. Ihr werdet in der Gegenüberstellung bemerken, dass die ICH Botschaften bei seinem Gegenüber besser rüberkommen.

DU Botschaft

Du hör mal, so wie du mit den Kindern sprichst, das geht gar nicht.

Du schaust die Kinder nicht an und antwortest nur in kurzen und knappen Worten

Du musst dein Verhalten ändern, weil das wichtig für die Kinder ist.

 

Ich Botschaft

Mir ist in den letzten Tagen aufgefallen, dass du bei den Gesprächen mit den Kindern sehr oft in kurzen und knappen Worten antwortest.

Du schaust sie beim Sprechen nicht an. Das verärgert mich sehr! Mir ist es wichtig, dass das Verhalten geändert wird.


Ich möchte dich nicht herumkommandieren, da ich auch nur eine Praktikantin bin. Mir ist dieses Verhalten nur sehr häufig aufgefallen.

 

Quellen / Literaturangaben

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