Für die Praxis

Über die Wichtigkeit von Raumgestaltung für das Kind

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Der Text stammt von einem Fremdautor in der Ausbildung zum Staatlich anerkannten Erzieher. Ein Name soll nicht genannt werden.

Vorwort

Loris Malaguzzi, Reggio Emilia: “Ein Kind ist aus hundert gemacht. Ein Kind hat hundert Sprachen, hundert Hände, hundert Gedanken, hundert Weisen zu sprechen. Immer hundert Weisen zuzuhören, zu staunen und zu lieben, hundert Weisen zu singen und zu verstehen, hundert Welten zu erfinden, hundert Welten zu träumen. Ein Kind hat hundert Sprachen doch es werden ihm neunundneunzig geraubt. Sie sagen also, dass es die hundert Sprachen nicht gibt. Das Kind sagt: ‘Aber es gibt sie doch'”.

Die Raumgestaltung, als dritter Erzieher, spricht primär die Gedankenwelt bzw die Gefühlsleben des Kindes an. Sie gibt ihm die Möglichkeit sich besser in die jeweilige Situation rein zu denken, oder diese zu leben. Bei Märchen besitzt der Raum die Gabe den Kindern ein Tor zur Märchenwelt zu öffnen(ihre heile Welt), bei dem sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen können und sich voll und ganz auf das Märchen zu konzentrieren.Räume regen die Kinder an erste Thesen aufzustellen und diese dann ganz nach ihren Vorlieben auf die Gültigkeit zu forschen.  Man muss hier aber genauso drauf achten, dass die falsche Thematik, in Kombination mit einer falschen Raumgestaltung das genaue Gegenteil verursachen kann. Wenn z.B ein Märchen ZU gut vorgelesen wird und die Raumgestaltung mit dem Märchen übereinstimmt, könnte dem Kind in Angstsituationen die heile Welt verwirren. Es ist wichtig zu wissen, dass die Raumgestaltung nur so  gut, wie der Rest eines Konzepts ist, doch auch sollte man wissen, dass zu viel es “Guten” auch mal anders ausgehen kann.

Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag 2 Kindergärten  bzw. deren Raumgestaltung vorstellen. Im Anschluss erläutere ich die Unterschiede und bewerte diese. Da ich diese Arbeit damals mit einem Mitschüler absolvieren musste, benutzte ich ab und zu die Wir-Form. Wir haben diese Ausarbeitung im Rahmen einer Forscherfrage erarbeitet. Dieses lautet: Welchen Einfluss hat die Raumgestaltung auf die Kinder?

Der Aufbau


Gruppen von Betreuer 1                                                                                                    Grupperaum von Betreuer 2

Raumgestaltung eins                                                                  

Unterschiede & Gemeinsamkeiten

Weniger Stühle/Tische

Kinder haben nur bei Betreuer 2 überwiegend auf Teppichen gespielt

Bei Betreuer 1 gab es eine Sofa-Ecke zur Betrachtung von (Bilder) Büchern

Bei Betreuer 1 waren viele Pflanzen in dem Gruppenraum

Die Puppen/Bauecke unterschiedlich angeordnet

Bei Betreuer 2 gab es einen Schrank mit Spielen für Schulkindern

Blick auf das Außengelände

Bauecke/Puppenecke vorhanden

( aber nicht gleich angeordnet!)

Raumteiler geben den Gruppenräumen genügend Abgrenzungsmöglichkeiten

Mal und Basteltisch

Fächer für die gesammelten Werke der Kinder in beiden Einrichtungen vorhanden

Nebenräume sind vorhanden

Prinzipien der Gemeinsamkeiten:

Prinzip der Raumteilung

Prinzip der Lebensfreude

Prinzip der individuellen Bedürfnisse

Prinzip der Trennung

Prinzip der Materialaufbewahrung

Prinzip der vertrauensbezogenen Entwicklung

Gemeinsamkeiten

Blick auf das Außengelände

Bauecke/Puppenecke vorhanden ( aber nicht gleich angeordnet!)

Mal/Basteltisch

Raumteiler geben den Gruppenräumen genügend Abgrenzungsmöglichkeiten

Fächer für die gesammelten Werke der Kinder in beiden Einrichtungen vorhanden

Nebenräume sind vorhanden ( Die Kinder durften ohne Aufsicht spielen)

Was Spricht für und gegen die Anordnung bestimmter Bereiche ?

Die Bau und Puppenecke sollte laut Schmau/Schörl unmittelbar voneinander diagonal angeordnet sein, da dies Bereiche darstellt, von denen unmittelbar Lärm ausgeht.

Prinzip der Schränke. ( max 80 cm hoch, eigener Bereich der Kinder etc)

Eine Frühstücksecke im abgetrennten Bereich.

Raumteiler geben den Gruppenräumen genügend Abgrenzungsmöglichkeiten- Prinzip der Raumteilung

künstlerische Bereiche waren immer unmittelbar von Fenstern umgeben

Bei Betreuer 2 in der Gruppe war trotz das die Puppenecke und der Bauteppich unmittelbar nebeneinander waren nie der Spiellärm von diesen Bereichen ausgehend. Bei Betreuer 1 ist der Bauplatz und die Puppenecke voneinander getrennt. Die Bauecke hat seinen eigenen Platz und die Puppenspiele bekamen einen eigenem raum.

Laut Schmaus und Schörl entspricht diese Anordnung nicht deren Vorstellungen, da dies Orte sind, von denen unmittelbar Lärm ausgeht und diese zusammengehören sollten.. Hinzuzufügen ist aber, dass der Faktor Lärm durch den Nebenraum sich genauso neutralisiert hat, wie bei Betreuer 2. Laut Schmaus und Schörl haben beide Kigas das Prinzip der Schubladen erfüllt. ( 80cm Höhe, dient als Sammlung der Werke der Kinder etc). Dafür spricht ganz klar, dass die Kinder ihre eigenen gesammelten Werke immer in greifbarer Nähe und Entfernung haben und diesen Bereich als ihr eigen betiteln können. Als negativen Punkt könnte man hier nennen, dass die Schränke jeweils anders angeordnet waren. Bei Christian waren diese auf dem Flur zu finden, während sie bei Betreuer 1 im Gruppenraum zu finden waren. Welche Art nun wirklich besser ist wollen wir uns nicht festlegen–> Es sollte zum Gesamtkonzept passen.

Es gab in beiden Kindergärten eine Frühstücksecke, welche abgetrennt war. Dafür spricht, dass den Kindern ein einzelner Bereich nur für das Frühstücken zugesprochen wird und sie diesen Bereich auch nur als diesen identifizieren können. Dagegen spricht, dass diese Ecken meistens recht klein sind und somit ein gemeinsames Frühstücken mit der ganzen Gruppe an diesen Ort nicht möglich macht. Vorschlag: Man bildet einen großen Tisch und Frühstückt so gemeinsam, z.b als festes Ritual

Dafür spricht, dass die (Trennungs)Schränke zum einen z.b für Materialen dienen können, aber wichtiger, für die Abgrenzung der verschiedenen Räume dient. Kinder macht es so leichter die Übersicht im Gruppenraum zu finden und können sofort auf den ersten Blick erkennen in welchem Bereich, welche Thematik behandelt wird. Ein wirkliches Kontra gibt es zu diesem Punkt nicht unserer Meinung nach, doch wenn man sich auf eines festlegen müsste, so würden wir sagen, dass bei einer falschen Trennung nur der relevante Platz des Raumes weggenommen werden könnte. Durch die Lebensnähe, welche die belebte Natur vermittelt  wird die Kreativität des Kindes gefördert.

Welche Veränderungvorschläge könnte ich zum Gruppenraum geben?

Als ich in meinem FSPU Praktikum war, habe ich festgestellt, dass für jeden Bereich ein bestimmter Platz vorgesehen war und dieser beim  ersten Betreten des Gruppenraumes sofort übersichtlich zu erschließen war. Abgegrenzt wurden die jeweiligen Bereiche dann durch multifunktionsale Schränke -( zum einen z.b für die Materialaufbewahrung und zum Anderen zur Abgerenzung).  Meiner Meinung nach gingen die freien Flächen dadurch verloren, was bei diesem Konzept aber auch nicht schlimm ist. Es gibt für jede Ecke schon einen vom Rest abgegrenzten Bereich gab. Für die Kinder war dies, laut meiner Auffassung, auch nicht relevant, da sie zu fast jeder Zeit in den Bewegungsraum durften um sich zu bewegen. Auch sonst konnte viele Bereiche Vielschichtig genutzt erden. Den Kindern wurde aber auch die Möglichkeit gegeben, dass sie aktiv an der Raumgestaltung teilnehmen dürfen. So war es für die Kinder immer spannend in der Bauecke Fotos von ihren älteren Werken zu sehen, die Malecke mit ihren alten Bildern zu schmücken, oder vergangene Rollenspielaktionen bildlich vor sich zu haben.
An diesem Konzept würde ich , in meinem jetzigen Erfahrungsstand, nicht viel ändern, außer dass ich den Kinder in der Mitte des Raumes mehr Möglichkeit bieten würde, dass diese Bewegungsmenschen sind und diese Lebensweise leicht eingeschränkt werden könnte. Desweiteren störte mich während meines Praktikums der Tisch (ohne Funktion) in der Bauecke. In einem Gespräch mit den Erziehern der Einrichtung wurde mir erläutert, dass dieser Tisch keine Funktion hat . Warum der Tisch nicht entfernt wurde weiß ich leider nicht.

Ich finde das sich die Erzieherinnen meines FSPU Praktikums schon sehr viele Gedanken um die Gestaltung des Gruppenraums gemacht haben mir fallen keine großen Kritikpunkte außer kleinere Verbesserungen so war die Werkbank so zugestellt das man diese gar nicht nutzen konnte. Ich weiß nicht ob dies Absicht war. Hätte ich den Raum gestaltet würde ich die Werkbank mehr in Szene setzen sodass die Kinder daran auch arbeiten könnten wenn sie fragen.  Ansonsten fand ich den Raum sehr übersichtlich und Kindgemäß man hat auch gemerkt das sich die Kinder wohlgefühlt haben.

Den einen war die Bewegung als Schwerpunkt wichtig, während bei anderen die Kreativität im Vordergrund steht.

Merke: Es gibt kein perfektes Konzept. 

Was habe ich für mich gelernt?

Die Grundsätze:

  • Flexibilität/freie Flächen
  • Gestaltbarkeit
  • Vielfalt
  • Nutzbarkeit
  • Freiheit schenken
  • Struktur
  • Ordnung
  • Funktionale Erkennbarkeit
  • Übersicht
  • Anregendes Material

Betreuer 2 Kindergarten bot zahlreiche freie Fläche, welches die Kinder zum Spielen auf den Teppich z.B.  für Brettspiele nutzen konnten, während bei Betreuer 1 jeder Bereich genau abgegrenzt war und die Kinder sofort wussten, welcher Bereich für welche Spielart zur Verfügung stand. Dies brachte im Kindergarten nicht nur Struktur, sondern die Kinder wurden unserer Meinung nach auch automatisch ruhiger, da die Raumgestaltung die Kinder so verteilte, dass kein größerer (hier ist kein typischer KIGA-Lärm gemeint) Lärm entstehen konnte. Die Materialien in unseren Kigas wurden so gewählt, dass sie Fantasie fördern und nicht Gedankengänge schon vorgegeben wurden. (Beispiel: Ein Kind kann mit einer leeren Streichholzschachtel ein Auto oder eine Waschmaschine darstellen, was bei einem richtigen Spielzeugauto nicht der Fall wäre). Die Spielsachen müssen Bewegungs- und Ideenanreiz bieten und das ist bei unseren Kiga´s der Fall gewesen.

Bevor wir die Zeitschriften “Kindergarten – heute”  gelesen hatten, war unser Eindruck,  dass unsere jeweiligen Kita´s ihre  Konzepte zum Thema Raumgestaltung sehr ausgereift  war.  Dies hat sich nun aber geändert, da wir von dem uns vorgestellten Konzept überzeugt wurden. Die Erzieherinnen haben es dort geschafft, die Raumgestaltung auf einen noch höheren Stand zu bringen.   Dies ist ihnen vor allem dadurch gelungen, da sie anregendes Material übersichtlich im Raum verteilt haben, sodass die funktionale Erkennbarkeit direkt gewährleistet war. Ferner gibt es genug freie Flächen, die komplett nach der Fantasie der Kinder gestaltet werden können. Die Kinder können die Spielimpulse durch die ausliegenden Materialien nutzen, um sich selbst  in epischen Spielmomenten zu erproben,  wie z.B. die Kinder, die mit der Leiter einen zwei  Meter hohen Turm bauen.

Durch die klar strukturierten Plätze, die auch in unseren FSPU Praktikums Einrichtungen vorhanden waren, konnten sich die Kinder nach ihren Spielbedürfnissen verteilen. Dadurch wurde das Spielerlebnis von den Kindern selber gestaltet. Der Unterschied zu dem FSPU  Einrichtungen ist, dass diese strukturierten Plätze in dem Artikel raumübergreifend angewendet wurden und es auch verschiedenere Angebote gab.   (Beispiel: die Ecke mit den Naturmaterialien und Steinen). Des weiteren ist uns aufgefallen, dass manche, wenn auch kleinere Gegenstände schon dem Spielfluss bei uns gestört haben.

Der Abschluss


Am Anfang hatte ich die Arbeit und Beschäftigung mit diesem Thema als Zeitverschwendung gesehen, weil ich der Meinung war, dass man sich diese Forscherfragen auch einfach an die jeweilige Lehrkraft/den Kollegen wenden kann. Dies sehe ich nun anders, da ich durch Eigenverantwortliches Arbeiten viel mehr Gedanken über ein Thema habe, die mich weitere Thesen bilden lässt, worauf eine ausgiebigere Ausarbeitung erfolgt. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit der Art und Weise, wie man ein Portfolio und diese Forscherfragen bearbeitet.

Quellen / Literaturangaben: *

Literatur auf Amazon.de

 

Quellen aus dem Internet:
  • http://www.awo-mittelrhein.de/pdf/Doku03.doc.pdf
  • http://www.kindergartenpaedagogik.de/1674.html
  • http://www.psychomotorikundspiele.de/erfahrungsraum-kita-hermann-wunschel.html
  • http://www.kreis-soest.de/buergerservice/jugend/kiga/Raumgestaltung-Konzept_10-02-02.pdf
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