Bestimmen

Die Situation

Kind 1 saß zusammen mit Kind 2 am Frühstückstisch um zu frühstücken. Diese Zeit hatte sie sich selber ausgesucht.  Nachdem Kind 2 zu Ende gefrühstückt hatte, ging  sie zur Spüle.  Kind 1 ,die offenbar nicht mehr so viel Hunger hatte bzw. nicht weiteressen wollte, saß nun allein am Frühstückstisch und schaute in die Luft.
Dann stand sie auf.

Ich hatte mich zu einem anderen Mädchen an einen Tisch gesetzt, um mit ihr das Spiel Schokohexe zu spielen.
Ich unterbrach das Spiel  und ging zu Kind 1. Ich forderte sie auf, sich auf ihren Platz zu setzen, und ihr Brot aufzuessen.

Danach ging ich  zurück zum Spiel und habe sie nebenbei weiter beobachtet. Sie starrte weiterhin in die Luft. Ihr Blick war auf ihr Müsli gerichtet. Dies ging eine ganze Weile so. Gegessen hat sie nicht.
Nach einer angemessenen Zeit ging ich wieder zu ihr und bat sie die Hälfte ihres Brotes zu essen. Anschließend dürfe sie auch ihre Kellogs essen! Jedoch begann sie immer noch nicht zu essen. Sie saß weiter allein am Frühstückstisch. Dies ging bis zum Ende der Hospitationszeit so.

Wie habe ich in der Situation aktiv gehandelt oder reagiert? Wie reagierten die Kinder?


Ich habe mich bemüht alle Gruppenregeln umzusetzen. Da alle Kinder immer aufessen sollten, wollte  ich Kind 1 hier nicht anders behandeln. Also habe ich Kind 1 auf ihren Platz gesetzt und mit netter Strenge versucht sie zum Essen zu bewegen. Kind 1 reagierte hierauf nicht wie gewünscht.

Warum habe ich so gehandelt?

Gleich vorweg: ich war mir bei dieser Handlungsweise extrem unsicher und habe deshalb sehr gezögert, bevor ich eingegriffen habe. Da ich gleichzeitig noch mit Kind 2 gespielt habe, war ich mir bei meiner Handlung nicht sicher. Aus diesem Grund war meine Vorgehensweise teilweise unbedacht.

Ich habe so gehandelt, da ich die Regeln für alle Kinder gleich geltend machen wollte. Unterschiede wollte ich nicht machen. Die Kinder sollten auf mein Wort hören, wenn ich etwas sage. Leider habe ich in dieser Situation nicht bedacht, wie schnell Kinder so etwas zu einem kleinen Machtkampf werden lassen.

Wie beurteile ich mein Verhalten?

Ich habe einfach unbedacht nach den Gruppenregeln gehandelt und versucht diese durchzusetzen. Dabei habe ich den leichtesten Weg ,durch Druck, gewählt.

Das Resultat war ein Machtkampf zwischen Kind 1 und mir.

In der Situation wusste ich mir, aufgrund mangelnder Erfahrung, nicht anders zu helfen. Im Nachhinein habe lange drüber nachgedacht, was ich hätte anders machen können. Als ich Kind 1 angeboten habe ihr Brot zu teilen war es bereits zu spät. Ein früherer Eingriff in die Situation hätte vielleicht die Situation nicht “eskalieren” lassen.

Was spräche dafür, was spräche dagegen?

Ich halte „Bestimmen“ für eine sehr wichtige Handlungsweise des Erziehers.  Jedoch wurde es von mir hier nicht gut angewandt. Ich möchte als Erzieher keine Kinder zum Essen nötigen, oder zu  irgendwelche anderen Tätigkeiten.

Im Nachhinein halte ich meine Handlungsweise hier für kontraproduktiv. Bei der Reflexion habe ich gelernt, dass man Kinder nicht über den Hunger hinaus essen lassen sollte. Dies könnte zu einem falschen Essverhalten führen. Ein Nebeneffekt kann bedeuten, dass Kinder immer dicker werden und sich dadurch weniger bewegen. Das Ergebnis möchte ich mit meiner Pädagogik nicht erreichen.

Was würde ich evtl. demnächst anders machen?

In dieser Situation hätte ich Kind 1 einfach helfen sollen ihr Brot zu teilen, um dann den Rest für später zu verwahren. Dann hätte sie später ihr Brot wieder essen können.

Alternativ oder ergänzend hätte ich auch noch dafür sorgen können, dass sich Kinder zu Eileen an den Frühstückstisch setzen.  So wäre sie nicht so alleine am Frühstückstisch gewesen, denn: In Gesellschaft isst man lieber.


Wenn sich kein Kind dazu setzen würde, könnte ich mich dazu setzen. Bei meinem Hospitationstermin habe ich mich das nicht getraut.

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