Konzept einer Gruppenkonferenz für Jugendliche

Ziel der Pädagogischen Gruppenkonferenz ist es, zusammen mit dem Gruppengefüge auch alle Menschen einzeln zu beachten, die einzelnen und ihr Verhalten zu verstehen und sie in ihrer individuellen Entwicklung wahrzunehmen. Jürgen Leide, Pädagoge

Beobachtungen

Mir ist aufgefallen, dass die Kinder nie wirklich Zeit mit den Erziehern verbringen und bis auf die Arztbesuche regelrecht festgenagelt in ihren Zimmern wirken. Spricht man die Kinder&Jugendlichen an und bietet eine Runde Brett, oder Kartenspiele an so sind sie meistens sehr engagiert diese auch zu spielen. Ich finde das sehr schade, weil es mein Job als Erzieher ist mit den Kindern ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und Probleme zu klären. Meiner Meinung nach ist hier das Spiel eine essentielle Methode um mit den Kindern ins Gespräch zu kommen! In Gesprächen mit den Kindern, während des Spiels, ist mir aufgefallen, dass die Kinder ganz offen und ehrlich äußern, dass sie sich eine Art Gruppenkonferenz wünschen, wo sie Probleme ansprechen können und sich über Gruppenaktionen freuen würden. Dies ist ein weiterer Punkt, den ich beobachten konnte. Lese ich die Doku der Herbstferien so stelle ich fest, dass mit den Kindern&Jugendlichen nur 2 Aktionen gestartet wurde. Beide Male von mir! Ich möchte den Kindern eine Verbesserung der Lage mit einer Gruppenkonferenz bieten.

Das Konzept

Ich stelle mir die Gruppenkonferenz als eine mindestens 14 tätig stattfindende Pflichtprogramme vor, bei dem die Kinder&Jugendlichen Möglichkeiten haben Probleme anzusprechen, die kommende Woche mit zu planen( dazu gehört auch einen Wochenplan zu erstellen, wo Termine wie Arzt oder HPG´s  stehen). Ich stelle mir die Gruppenkonferenz als einen festen Bestandteil in das Konzept meiner Einrichtung vor. Hier könnte z.B. der Dienstag und der Donnerstag dazu genutzt werden mit den Kindern eine Aktion von 4-6 zu planen. Dies können kleinere Aktionen sein, wie den Besuch des Sportplatzes, oder ein gemeinsames Schwimmen. Berücksichtigen muss ich hier die Zeiten, wann die Kinder&Jugendlichen nach Hause kommen. Ich denke hier ist 4 Uhr ein guter Zeitraum, da die Hausaufgabenzeit bis 15:30 geht  und sie so noch die Möglichkeit haben etwas zu entspannen. Auch überlegen könnte man, ob die Hausaufgabenzeit an diesen 2 Aktionstagen nicht um 30 Minuten reduziert wird, damit mehr Zeit für die Aktion bleibt. Dies muss allerdings mit dem Team abgesprochen werden.  Ich fasse nun einige Punkte zusammen, die ich als wichtig erachte und ändern möchte:

Belohnungssystem und Pflichtprogramm


Hierzu gehören natürlich einige Punkte die zuerst umgesetzt werden müssen. Zunächst habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie die Kinder&Jugendlichen dieses Pflichtprogramm wahrnehmen können, ohne dass es langweilig, nervend, oder lästig wirkt. Ich habe mir überlegt, dass ich eine Art Belohnungssystem einführe. Dies kann so aussehen, dass die Kinder pro Aktion einen Stern bekommen. Hier könnten Staffelungen die wie folgt aussehen:

1 Stern = Nachtisch von der Hauswirtschaftskraft am nächsten Tag

5 Sterne= Eine Aktion darf für die freie Verfügung genutzt werden

20 Sterne= Private eigene Aktion mit einem Erzieher

Als Vorlage hierzu dient das Smileysystem meiner Einrichtung genommen. Hier ist es so, dass die Kinder sich etwas wünschen dürfen, wenn sie sich durch freiwillige Aktionen eine bestimmte Anzahl an Smileys erarbeitet haben. Leider hat dies nicht jedes Kind, was ich sehr schade finde.

Die Struktur, der Ablauf der Gruppenkonferenz

Ich stelle mir den Ablauf der Gruppenkonferenz als einen klar strukturierten Prozess vor. Eine Gruppenkonferenz sollte, meiner Meinung nach,  eine feste Struktur besitzen, da sie nicht nur Stabilität und Sicherheit bietet, sondern zeitgleich eine Perspektive nach kommenden Dingen bietet.

Ein Ablauf könnte z.B. so aussehen:

  1. Begrüßung der Kinder & Jugendlichen
  2. Reflexion der letzten Woche
  3. Ankündigung von Änderungen und Regelungen
  4. Besprechung von Problemen und Sorgen
  5. Wunschäußerung der Kinder&Jugendlichen + Besprechung
  6. Erstellung eines Wochenplanes
  7. Verabschiedung

Raumgestaltung & Regeln

Ich möchte während der Gruppenkonferenz eine angenehme Atmosphäre schaffen. Für die Kinder und Jugendlichen ist das Wohnzimmer ein besonderer Raum. Indem sie nur mit Erlaubnis hin dürfen. Dies ist natürlich auch noch zeitlich begrenzt. Ich möchte den Kinder&Jugendlichen Getränke, wie z.B. Cola mit Keksen. So hat dieser schon besondere Raum einer noch besonderen Wirkung. Die Kinder&Jugendlichen haben dabei feste Plätze an denen sie sich setzen.

Zu einer Gruppenkonferenz gehören Regeln. Diese lege ich von mir aus fest, können aber von den Kids erweitert werden. Diese können z.B. sein

  • Kein Handy während der Gruppenkonferenz
  • Jeder lässt jeden ausreden
  • Jeder achtet auf eine angemessene Artikulation
  • Kekse & Getränke nur über dem Tisch
  • Jeder besitzt eine Stimme( Bei Abstimmungen)
  • Es gibt einen Protokollant
  • Wichtiges wird festgehalten etc.

Partizipationspyramide – Die Stufen der Partizipation

Anhand dieser Pyramide lässt sich die Wichtigkeit von Partizipation exemplarisch super erklären.

Ich muss mir als Erzieher, der ein solches Projekt plant, immer überlegen in wieweit ich die Kinder&Jugendlichen „partizipieren“ möchte. Anlässlich meiner Idee einer Gruppenkonferenz strebe ich eine Selbstverwaltung( unter Aufsicht) an. Anfangen werde ich die pädagogische Konferenz in Punkt 3, – Der Mit-Entscheidung.

Kurze Erläuterung der Punkte:

Information

Mit diesem Punkt ist gemeint, dass die Kinder an Entscheidungsprozessen nicht beteiligt werden und nur die reine Information bekommen. „Du hast morgen ein HPG“.

Mit-Sprache

Mit diesem Punkt ist wird geklärt, dass die Meinung der Kinder angehört wird, diese Meinung aber überhört werden könnte, bzw. die Entscheidung beim Erzieher bleibt.

Mit Entscheidung

Hiermit ist gemeint, dass die Kinder zwischen „rot“ und „blau“ Entscheiden können. Sie dürfen sich quasi etwas aussuchen, aber nur teilweise am Entscheidungsprozess teilnehmen

Mit-Beteiligung

Die Mit-Beteiligung ist ein aktiver Prozess zur Beteiligung, wo Kinder auch Änderungsvorschläge nennen können.  Dies bedeutet sie können Vorschläge bringen, diese werden konstruktiv diskutiert, ab gewägt und dann mit der Gesamtgruppe entschieden.

Selbstverwaltung

Die Selbstverwaltung ist das höchste Gut der Partizipation, jedoch auch mit Vorsicht zu genießen. Die Kinder&Jugendlichen wählen einen Sprecher und diskutieren Dinge alleine, bzw. dürfen die Prozesse selbst entscheiden. Teilweise möchte ich dieses Ziel anstreben und die Bewohner an Prozessen teilnehmen lassen, was sie selbst betrifft.

 

Die Paritizipationspyramide

Die Paritizipationspyramide

Integration und Vorstellung im Team

Nachdem ich nun die Partizipationspyramide aufgeschrieben habe und geklärt habe, welches Ausmaß an Partizipation ich erreichen möchte, muss ich mir Gedanken darüber machen, wie ich  dieses Thema ins Team integrieren möchte und wie ich mein Team auf den gleichen Stand bringe. Hierzu habe ich mir eine kleine Planung, bzw. Skizze gefertigt. Meine Art von Skizzen bezieht sich immer auf Bausteine, die vereinzelnd ein Thema behandeln um am Ende ein Gesamtbild zu kreieren. Hier meine Bausteine:

Baustein 1)

Vorstellung und Evaluation. Hier möchte ich die Vorgehensweise meines Vorhabens erklären, Dinge hinzufügen und den weiteren Verlauf erklären.

Baustein 2)

Vorstellung meines Konzepts mit dem Team

Beim zweiten Baustein möchte ich dem Team einen kleinen Exkurs zum Thema Partizipation geben und mein Konzept vorstellen. Ich stelle es mir bisher so vor, dass ich zunächst einen kleinen Vortrag(5-10Min) über die Wichtigkeit und Relevanz von Partizipation halte. Im zweiten Schritt sollen meine Kollegen Handlungsweisen aufschreibe bzw. Fragen nennen, welche die Kinder in der Gruppenkonferenz nennen könnten. Es muss geklärt werden im Team, nach erfüllen meiner Aufgabe, in welchem Maß wir die Kinder partizipieren können und wo wir klare Grenzen setzen müssen. Anhand der Handlungsweisen können wir ein Regelwerk erstellen, wo jedes Team Mitglied hinter stehen kann. 

Baustein 3)

Im letzten Baustein beginnt die spannende Phase, das Integrieren der Gruppenkonferenz bei den Kindern. Ich kann mir vorstellen, dass dies für die Kinder zunächst kritisch gesehen wird. Dies liegt darin begründet, dass mir erzählt wurde, dass bislang alle Gruppenkonferenzen eher negativ belastet waren.  So werde ich am Anfang schon den Namen von den Kindern aussuchen lassen und mit ihnen besprechen, was überhaupt Mitsprache bedeutet. Ich denke, dass durch die Raumgestaltung und meiner positiven Art keine negative Stimmung parse geschehen kann.

Weiterentwicklung der Gruppenkonferenz

Es sind nun schon einige Monate meiner Einführung der Gruppenkonferenz  vergangen. Festzustellen ist, dass die Gruppenkonferenz mittlerweile für die Kinder& Jugendlichen standardisiert wurde und sie diese Aktion nicht mehr als „lästig“ ansehen, sondern die Vorteile einer solchen Sache zu schätzen wissen.  Seit dem Treffen mit meiner Lehrerin hat sich aber, aus partizipativer Sicht, wenig getan. Woran liegt das?  Zum Einen muss ich sagen, dass ich mich an dieser Stelle hätte mehr disziplinieren müssen, um die Gruppenkonferenz weiter zu bringen. Ich habe so viele Ideen mehr Transparenz zu integrieren. Das Nutzen einer Flipchart, Anleitung bzw. Kidsteamleitung durch einen Jugendlichen, offenere Planung mit den Jugendlichen. Es wäre zu schade diese ganzen Ideen, für dieses große Projekt, einfach zu verschwenden.  Auf der anderen Seite sehe ich das Problem an meinen Urlaub, bzw. Krankheitstagen, oder aber dass ich donnerstags schlicht keinen Dienst hatte. Ich muss mir immer vor Augen halten, dass ich die Einrichtung Ende Juli verlasse, ich noch viele Urlaubstage zur Verfügung habe und mich zudem auf meine Schule konzentrieren muss. Ich brauche also einen strukturierten Plan, einen Plan mit dem ich meine Gruppenkonferenz weiter bringen kann und meiner Einrichtung  einen Weg ebne dieses Konzept weiter zu führen.

Die Frage die ich mir nun stellen muss,ist:“ bin ich am Limit angekommen? Lässt sich die Gruppenkonferenz nicht mehr weiter entwickeln bzw. haben sich meine Ziele schon erfüllt?“

Sehe ich es realistisch; kommen folgende Punkte zusammen.

  • Laut Dienstplan habe ich bis ende April KEINE Leitung der Gruppenkonferenz mehr
  • Ich nehme erst wieder Ende März am nächsten Team teil
  • Ich möchte eine Flipchart und dadurch mehr Transparenz einführen
  • Die Leitung soll jetzt allmählich von den Jugendlichen übernommen werden.

Betrachte ich nun meine oben genannten Punkte bleibt mir nur eine Möglichkeit. Ich muss im Team MEINE Vorstellung der Gruppenkonferenz darstellen und ansprechen, vielleicht eine Art Ablaufstruktur erstellen, damit meine Kollegen wissen, was sie tun müssen. Es ist in sofern schwer gefallen, weil ich einen gewissen Anspruch an mein Projekt habe. Meine Kollegen können diesen Anspruch aber nicht kennen, wenn ich ihnen kein Formblatt gebe, oder sie nicht die Möglichkeiten besitzen einmal zu hospitieren. Bitte nicht falsch verstehen, sie haben es mit Bravour gemeistert, jedoch haben sich die Kinder&Jugendlichen beschwert wieso meine Kollegen nicht die gleiche Struktur benutzen, wie ich. Das geht klar auf meine Kappe. Ich hätte schon längst eine Ablaufstruktur erstellen müssen. Dann wäre diese Sache meinen Kollegen nicht passiert. Es ist nicht die Aufgabe meines Teams zu fragen, welche Struktur ich verwende. Auf der anderen Seite hätten die Kinder klar darüber informiert werden müssen/können, dass ich die nächsten Gruppenkonferenz nicht leiten werde und ggf.  die Kinder&Jugendlichen darauf vorzubereiten.

Aber zurück zum Thema. Keine leichte Aufgabe, wenn Sie mich fragen, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Der Plan

Ich bin ja ehrlich gesagt kein Fan von diesen ganzen  vorgegebenen, mit Druck und Stress belasteten Planvorgaben. Aber an dieser Stelle halte ich eine Art Zeitstrahl doch für eine sinnvolle Visualisierung. Hier kann ich, die Kinder, aber auch meine Kollegen immer einsehen wo die Reise hingehen soll. Ich denke dies kann eine sinnvolle Methode sein diese Gruppenkonferenz anzuleiten, ohne wirklich (zunächst) aktiv daran teilzunehmen.  Dieser Zeitplan muss jedoch im Team besprochen werden. Dies werde ich als Teampunkt für das nächste Team am 28.3 aufschreiben und dann gemeinsam, mit dem Team eine Art Schlachtplan entwickeln.

  1. Meine Ziele dabei sind die Umsetzung einer Flipchart um die Gruppenstruktur besser zu visualisieren. Es gibt mir und den Kindern die Möglichkeit ein absehbares Ende der Gruppenkonferenz zu sehen. Auch können hier Anregungen der Kinder bzw Jugendlichen genannt werden. Auch das Team darf natürlich welche nennen.
  2. Als weiteren Punkt möchte ich die Struktur der Gruppenkonferenz vorstellen. Diese habe ich auf einer extra Seite zusammengefasst.
  3. Es sollte ein kleiner Exkurs gegeben werden, was genau ich mit Transparenz meine. Im Gedanken des partizipativen Ansatzs ist meine Gruppenkonferenz noch ganz am Anfang. Ziel muss es sein die Jugendlichen aktiv an der Planung und Durchführung der Thematik zu beteiligen. Das fängt bei der Doku z.B. an. Eine Übertragung meiner Notizen zum TV z.B. via Power Point, oder Cloud , wo sie für alle ersichtlich sind , könnte ein Start sein.
  4. Wie so oft aber auch hier die Frage, wollen das die Jugendlichen&Kinder überhaupt? Das muss besprochen worden.

Struktur und Ablauf der Gruppenkonferenz

Im Vorfeld

  • Fanta + Sprite vorbereiten, mit ausreichender Menge Gläser
  • Wohnzimmer vorbereiten, wenn nötig

Bei der Gruppenkonferenz

  1. Begrüßung der Kinder, Bestimmung des Protokollanten
  2. Reflexion – Wie war die Woche? Was ist passiert? Sind die Regeln okay?
  3. Gibt es neue Regeln? Team Entscheidungen? Wenn ja, an dieser Stelle nennen
  4. Vorstellung der Tagespunkte , Öffnung des Meckerkasten
  5. Besprechen von Problemen und Sorgen – Ist alles in Ordnung? – Meckerkasten
  6. Abarbeitung der Tagespunkte.
  7. Lob fürs Teilnehmen, Beenden der Kids-Konfi

Nach der Gruppenkonferenz

Nach der Gruppenkonferenz die Kinder&Jugendlichen bitten die Gläser, bzw. Teller in die Küche zu bringen. Der Erzieher digitalisiert nun das Protokoll der Kids-Konfi und hängt es dann für alle ersichtlich aus.

WG in Bewegung

Ich muss witziger Weise gestehen, dass das Konzept der WG in Bewegung bzw. einer wöchentlichen Bewegungsaktion, zunächst sehr schwer in der Umsetzung schien. Ich hatte Probleme und Sorgen bei der Planung, wusste nicht richtig wie ich alles Umsetzen kann und auch das Team signalisierte mir, dass dieses Vorhaben zwar toll, aber kaum umsetzbar sei. Nach vielen gescheiterten Versuchen und Planungen sagte dann ein Jugendlicher einfach „ Lass uns doch einfach mal mehr Bewegung in die WG bringen. Gesagt, getan.

So erleichtert ich auch nun bin, so perplex bin ich auf der anderen Seite. Ich plane, ich beobachte, ich suche Fachlektüre, versuche alles perfekt zu lösen, ohne Erfolg. Dann kommt ein Jugendlicher, wir suchen einen wöchentlichen Termin und die Sache ist erfolgreich.

Sicherlich, die Umsetzung im Team ist nicht immer leicht, zumindest scheinbar. Das Team muss sich einfach mehr disziplinieren und sich nicht in ihrer Dokumentation vertiefen. Die Arbeit ist und bleibt am Kind. Wenn die Jugendlichen&Kinder sich eine wöchentliche Gruppenaktion wünschen, die zudem im Haus stattfindet, dann sollte jeder Erzieher/Inn in der Lage sein den Tag so zu planen, dass diese Zeit für Kinder vollständig eingeplant wird.  Niemals darf vergessen werden, umso später damit begonnen wird, bzw. umso mehr auf mich abgewälzt wird, umso schwerer wird es für meine Kollegen werden. Das beste Beispiel ist die Gruppenkonferenz mit Aussagen, wie, : Wir arbeiten nur mit, wenn unser Betreuer da ist“!

Ich möchte auch nicht das Team an dieser Stelle kritisieren, jedoch  wäre es einfach schade, solche tollen Wünsche einfach zu überhören. Meine Aufgabe muss es also sein auch hier eine Art Ablauf zu erstellen, an den sich meine Kollegen halten können. Die Sache dahinter ist jedoch, es gibt noch keinen festen Ablauf. Das Konzept der „WG in Bewegung“ war bisher einfach so, dass der Erzieher ein Thema bzw. ein Spiel vorgegeben hat.

Und wissen Sie was? Es funktioniert! Ich habe gerade einmal 3 WG in Bewegungen erlebt. Beim ersten Mal waren 3 Kinder dabei, beim zweiten mal 5 und beim dritten Mal die ganze Gruppe! Ein Erfolg? Ich setze noch einen dazu, denn die Kinder&Jugendlichen haben mich schon gefragt, was nächste Woche gemacht wird. Ich denke dies kann ein wundervoller Ansatz sein ( in der Gruppenkonferenz)  das Konzept der WG in Bewegung zu erweitern. Ich wünsche mir hier von mir auch mehr Transparenz. Ich könnte z.B. 3 Vorschläge nennen und die Kinder&Jugendlichen kreuzen an wozu sie Lust haben.

Je mehr ich diese Zeilen schreibe, umso mehr denke ich, dass die Arbeit am Kind erfolgreich für mich verläuft. Bedarf sehe ich jedoch klar am Team. Das Team ist noch nicht auf meinem Stand. Einerseits, weil ich nicht die nötige Transparenz geliefert habe, aber andererseits, weil das Team sich zu stark an ihren Erzieheralltag hält. Ein weiteres Problem ist, dass sich das Konzept nicht immer mit den alltäglichen Krisen vereinnahmen lässt. Ich möchte hier ausdrücklich betonen, dass das Team hinter mir steht, aber es manchmal einfach nicht zu leisten ist dieses Projekt durchzuführen. In einer Wohngruppe kann es immer passieren, dass Kinder abgängig sind, Baustellen an jedem Kind gelöst werden müssen, die Jugendlichen schlecht aus der Schule kommen, oder sie schlichtweg keine Lust haben und sich nicht motivieren lassen. Die Priorität eines Erziehers, meiner Aufgabe, liegt dann ganz klar am Kind und nicht an meinem Projekt.

Zwischenreflexion der Gruppenkonferenz

Die Gruppenkonferenz ist nun schon einige Zeit angelaufen und ich halte es für angemessen nun zu überprüfen, was sich verändert hat, welche Wandlungen  gut sind und an welcher Stelle ich die Gruppenkonferenz vertiefen muss. An vielen Stellen habe ich noch nicht alles umsetzen können, oder hat sich ganz natürlich in eine andere Richtung entwickelt.

Die Reflexion strukturiere ich folgend so, dass ich die einzelnen Punkte meiner Planung reflektiere.

Reflektion von „Das Konzept“

Im Großen und Ganzen habe ich mein Grundkonzept umsetzen können und bin darauf auch ein wenig stolz.  Die Gruppenkonferenz wurde von den Jugendlichen nicht nur angenommen, sondern wird völlig selbstverständlich als Methode genutzt Probleme anzusprechen, oder den Alltag zu planen. Auch die Problematik mit der Hausaufgabenzeit hat kein Problem ergeben. Leider muss ich mich mehr disziplinieren, was die zwei wöchigen Aktionen angeht. Ich bin der Meinung, dass ich mich da die letzte Zeit zu sehr ausgeruht habe. Ich muss lernen, dass diese Arbeit nicht nur primär mir und meiner Arbeitszeit dient, sondern dass die Gruppenkonferenz eine Grundlage sein kann, Partizipation fest in ihre Charakterstruktur zu integrieren. Mein Wunsch ist es dass Menschen in vollkommener Harmonie leben. Hier kann ich Teil einer Entwicklung sein dieses Ziel zu erreichen, dass ist mir jetzt bewusst.

Beim Reflektionsgespräch wurde mir aber erst einmal klar, was zu einer guten Gruppenkonferenz dazu gehört. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass zu einer partizipativen Aktion wie diese so eine immense Planung dazu gehört. Ich muss mich noch mehr in die Materie einlesen um den Kindern&Jugendlichen eine noch bessere Gruppenkonferenz zu bieten. Auch für mich und das Team kann dies ein essentieller Sprung sein mit den Kindern&Jugendlichen in Harmonie zu leben.

Belohnungssystem und Pflichtprogramm

Beim Lesen meiner Planung dieses Punktes musste ich ein wenig schmunzeln. Ich überlege mir gerade, ob ein gewisses Pflichtprogramm wirklich angemessen gewesen wäre, bzw. ob dieser Druck wirklich nötig gewesen ist für die Kinder&Jugendlichen. Primär sollte darüber nachgedacht werden, ob die Bewohner der WG überhaupt eine Gruppenkonferenz gewünscht haben.

Als ich die Gruppe das erste Mal gefragt habe, wurde es oft verneint, ich hörte die damaligen Gruppenkonferenzen waren sehr negativ belastet und deshalb wollen sie keine. Ich benötigte also einen Schlachtplan und entschied mich dazu die Kinder&Jugendlichen zu einer Gruppenkonferenz zu motivieren um ihnen die Vorteile meiner Art von Gruppenkonferenzen zu zeigen. Ein Erfolg, wie die Kinder mit Rückmelden und das, ohne jeglichen Druck von Teilnahmepflicht.  Es ist vielmehr so, dass die Kinder&Jugendlichen sich sogar darüber aufregen, wenn manche Jugendliche nicht an der Gruppenkonferenz teilnehmen.

Ein Belohnungssystem habe ich nicht eingeführt, zumindest nicht in der Art wie ich es geplant habe.  Probleme bei der Planung dieses Vorhaben begründeten sich in der Umsetzung. So sehr ich aber auch plane und so toll die Planung sein mag, eine Frage die ich mir auch hier stellen muss, wollen die Kinder überhaupt meine Form von Belohnung?

Die Gruppenkonferenz hat sich dahin entwickelt, dass die Kinder Sprite und Fanta trinken dürfen, was in der Gruppe sonst nicht als Getränk zur Verfügung steht. Die ist für mich eine viel angenehmere Lösung. Diese Lösung ist von den Kinder&Jugendlichen gewählt und gewünscht worden und nicht von einem Erzieher bestimmt worden. Dies hätte den partizipativen Ansatz völlig durcheinander gebracht.

Ich möchte dieses Konzept auf diese Art weiter führen. Veränderungen müssen von mir und der Gruppe in Harmonie erarbeitet werden. Meine Aufgabe muss es hier sein die Kinder & Jugendlichen Möglichkeiten einer Umsetzung aufzuzeigen und ihnen den Rahmen der Umsetzung zu erläutern. Alles weitere darf und muss auch von ihnen erarbeitet werden. Explizite Beispiele folgen im weiteren Verlauf der Reflexion.

Die Struktur, der Ablauf der Gruppenkonferenz

Ein Ablauf könnte z.B. so aussehen:

  1. Begrüßung der Kinder&Jugendlichen
  2. Reflexion der letzten Woche
  3. Ankündigung von Änderungen und Regelungen
  4. Besprechung von Problemen und Sorgen
  5. Wunschäußerung der Kinder&Jugendlichen + Besprechung
  6. Erstellung eines Wochenplans
  7. Verabschiedung

Dies waren die Worte meiner Planung ganz am Anfang meiner Gruppenkonferenz. Überprüfe ich nun, ob ich diese Struktur beibehalten habe, oder ob sich etwas verändert hat, muss ich feststellen, dass die Struktur sich gewandelt hat. Gewandelt ja, aber dennoch komplett von mir vorgegeben. Ich muss auch sagen, dass ich diesen Punkt etwas schwierig in Worte fassen kann.  Beim Relektionsgespräch mit meiner Lehrerin wurde mir angeregt, das ich mit mehr Transparenz arbeiten kann , bei der Gruppe, als auch im Team. Hierzu werde ich im Team über die Gruppenkonferenz  reden und gemeinsam eine aktuelle und angemessene Struktur erarbeiten.  Gleichzeitig ist mir bei der Übung aufgefallen, dass es für meine Kollegin relevant gewesen wäre, hätte sie ein Schriftstück in der Hand gehabt um eine gewisse Ahnung der Gruppenkonferenz und ihrer Struktur zu bekommen.

Für die Kinder&Jugendlichen bedeutet dies, dass ich z.B. die Punkte des Tages auf eine Flipchat aufschreiben und diese dann Schritt für Schritt erarbeite

Ich glaube das Problem liegt weniger darin, dass meine Struktur schlecht gewählt, oder nicht angemessen ist. Sie ist aber durch meine Planung nicht ersichtlich und dadurch unverständlich. Mein paritizipativer Ansatz muss es sein offen zu Planen und wahre Partizipation zu betreiben.

Raumgestaltung & Regeln

Beim Durchlesen meiner Regeln muss ich immer daran denken, ob Kinder&Jugendliche wirklich mit Regeln vollgestopft werden müssen bzw. welche dieser Regeln für die Gruppe ist und welche eigentlich nur mir als Sicherheit dienen. Ich glaube, dass Regeln, wie „kein Handy“ nicht nötig sind. Ich musste bei meinen 4 Gruppenkonferenz bisher nicht einmal einen Jugendlichen ermahnen, dass er/sie das Handy weg packen soll. Dinge, wie „wir lassen uns ausreden“ sollen als selbstverständlich angesehen werden. In dem Moment, wo ich es als Regel festlege, stört es der Harmonie von mir und meiner Gruppe. Sicherlich gehört es dazu über manche Aspekte zu reden. Ein schönes Beispiel ist die Regelung der Getränke, über die ich mir keine expliziten Gedanken gemacht habe. Es wäre sinnig gewesen mir hier vorher eine innere Struktur der Umsetzung zu geben, als auch meiner Kollegin. Hätte ich hier wieder offen geplant, die Gruppe und mein Team einbezogen hätte ich mir

  1. nicht so viele Gedanken über eine sinnvolle Planung machen müssen
  2. Die Gruppe hätte ich in meine Planung einbeziehen können

Ein weiteres Beispiel kann hier der Meckerkasten sein. Ich war so versteift darauf einen materiellen Gegenstand eines von den Kindern gewünschten Meckerkasten zu kaufen, dass ich völlig vergessen habe die Kinder&Jugendlichen auch hier einzubeziehen und einfach zu fragen in welcher Form sie den Meckerkasten überhaupt wünschen. Darauf muss ich künftig achten.

Kurze Gesamtreflexion

Insgesamt muss ich sagen, dass ich sehr stolz auf meine Umsetzung einer Gruppenkonferenz bin und bin sehr dankbar für die Anregungen, die mir meine Lehrerin genannt hat. Aus Büchern und mit viel theoretischem Wissen bin ich an diese Sache heran gegangen um festzustellen, dass mein Fachwissen nur ansatzweise an den partizipativen Gedanken ran kommt.


Auf der einen Seite bin ich etwas enttäuscht. Ich habe Herzblut in dieses Projekt gelegt und hatte das Gefühl vieles schon richtig zu machen um festzustellen, dass ich noch ganz am Anfang bin. Auf der anderen Seite genieße ich diese Situation und das Gefühl der Installateur eines so tollen und großartigen Projekts zu sein, was so sehr angenommen wird. Ich will stets an mir arbeiten und mich “fortbilden”  damit ich den Kindern eine wundervolle Entwicklung bieten kann.

Literaturangaben / Quellen *

Quellen auf Amazon.de

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