Ringen und Raufen mit Jugendlichen

“Sporterziehung war schon immer eines der spannenderen Themen in der Ausbildung zum Erzieher. Als ich vom Thema “Ringen und Raufen” gehört habe, war ich hellauf begeistert”

Wenn wir von der Bedeutung des Sports im Heranwachsen reden, dann lässt sich, laut Baur/Burrmann 2008, zwischen 2 Arten zu unterscheiden.  Diese sind die:

Sozialisation in und zum Sport

Hier stehen die sozialen Ressourcen im Vordergrund. Bei der Sozialisation in und zum Sport  wird betrachtet, welche sozialen Vorgänge dazu beitragen können um sportlich aktiv zu werden.  Es steht im Mittelpunkt welche Aspekte Kinder&Jugendliche zum Sport gebracht haben , oder sie von Sport abgehalten haben. Prinzipiell lassen sich Ressourcen in 2 Unterarten gliedern. Den privaten Ressourcen, als auch den sozialen Ressourcen. Einige Aspekte der privaten Ressourcen können das eigene Interesse,Die Motivation und die Gesundheit sein, oder  soziale Ressourcen, welche sich in Unterstützungsleistungen ausdrücken. Diese unterscheiden sich z.B. in Fahrtendienste zum Training der Eltern, das gemeinsame Sporttreiben von Peers, oder die Talentförderung durch Lehrer. Bei allem steht  eher die Frage im Mittelpunkt, “ wie der Kontakt des Kindes oder des Jugendlichen zum Sport überhaupt hergestellt wurde “ ( vgl. Baur/Burrmann 2008)

Sozialisation durch Sport


Bei der Sozialisation durch Sport wird die Frage geklärt, was der Sport mit den Jugendlichen macht und wie sich der Sport auf die Sozialisation des Kindes&Jugendlichen auswirkt.

Neuber betont die Bedeutung des Sports als Bewältigung von Entwicklunsgaufgaben. Laut Neuber sind Entwicklungsaufgaben Kontakte(zu) entwickeln, sich mit und in dem Körper wohl zu fühlen, sowieso Identität(zu) finden ( Neuber 2007, S.208). Weitere Faktoren für die sportliche Orientierung, sind das Streben nach individueller Leistung und dem Nervenkitzel, die Betonung von körperlicher Fitness und Gesundheit, die Suche , nach Sozialkontakten, das Naturleben sowieso dem Spaß( vgl. Brettschneider/Bräutigam 1990).

Potenzial des Sports als Brücke der Kulturen

Das Potenzial der Sporterziehung lässt sich in viele Bereiche gliedern. Hier könnte man das Kennenlernen der eigenen körperlichen Grenzen nennen, die geistige Leistungsfähigkeit erkennen und erweitern, oder das Gefühl einer Zugehörigkeit verursachen.  Ein Aspekt den ich hier nennen möchte, ist die Brücke, die Sport zwischen den Kulturen spannen kann. Betrachten wir Sport unter Berücksichtigung des biologischen Rucksacks zwischen fremden Kulturen, so gibt Sport hier die Perspektive diese “anderen” Werte und Normen kennen zu lernen, gemeinschaftliche Erfahrungen zu sammeln und zusätzlich die sozialen Kompetenzen zu erweitern. Bewegung verlangt alles ab, was Kindern&Jugendlichen zum Kennenlernen der anderen Kulturen abverlangt. Sport gibt einen Rahmen sich an Regeln zu halten, die für alle gleich sind, gibt Möglichkeiten Verantwortung zu übernehmen und lehrt, dass Handlungen praktische Konsequenzen für sich und andere hat.

Laut BMFSJ aus dem Jahre 2005; dsj 2009 lassen sich besonders in Vereinen und anderen sportlichen Organisationen das Potenzial  in körperbezogene Kompetenzen, aber auch sozial, kognitiv und personellen Bereich eine Verbindung zwischen dem Erwerb einer Verbindung des sozialen Kapitals finden.

Angebotsplanung

Theoretische Grundlage des Ringen und Raufen

In meiner eingeführten Gruppenkonferenz habe ich mit den Kindern das Thema Sporterziehung – Ringen und Raufen besprochen, habe Ideen genannt zur Umsetzung und regte an dieses Angebot wahrzunehmen. Zunächst meldeten sich alle Kinder und ich begann zu planen. Von den Kindern habe ich da einen “Freischein” bekommen “ Ich solle einfach entscheiden, Hauptsache wir machen was” .

Situationbezogene Begründung

Ich habe in vergangenen Angeboten gemerkt, dass wir als Team  die Thematik ” Regeln und Strukturen” ein wenig intensiver mit den Kindern bearbeiten müssen. Anlässlich dieser Situation möchte ich mit den Kindern ein kleines Projekt starten bei denen wir zum Einen Spielen, aber dabei Regeln und Strukturen näher verdeutlichen. Mir persönlich ist es außerdem wichtig, dass die Kinder lernen sich gegenseitig zu respektieren und akzeptieren.  Zunächst möchte ich das Angebot auf freiwilliger Basis anbieten um den Interessenten das Kämpfen im gesunden Rahmen zu lehren.

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass ich mir nicht 100% sicher bin, trotzt bisheriger positiver Erfahrung, ob dieses Projekt gelingen wird. Das Problem was ich sehe liegt einfach in der grundlegend verschiedenen Struktur einer Wohngruppe, gegenüber einer OGS( Treffpunkt des letzten Projekts), der Hintergrund und die Geschichte der Kinder sind völlig verschieden und kann  geprägt von Enttäuschungen und Zweifel sein , als auch haben diese Kinder vielleicht nie die Möglichkeiten genossen ein Gefühl von Geborgenheit und Liebe zu erfahren. Für mich als Erzieher bedeutet dies, dass ich mir stets bewusst sein muss, dass ich empathisch mit den Kinder&Jugendlichen umgehen muss und an manchen Stellen vielleicht etwas mehr Verständnis für ihr Handeln zeigen muss. Da ich mit dem Thema Sporterziehung noch keine großen Erfahrungen sammeln konnte, sehe ich dieses Angebot auch als nächste Etappe mein Wissen erweitern zu können.

Fachtheoretische Begründung

Schulkinder geraten in Konflikte, müssen ihre eigenen Wertvorstellungen bilden überprüfen, müssen lernen sich an Strukturen und Regeln zu halten, müssen aber genauso lernen andere zu respektieren und akzeptieren. Ringen und Raufen trägt hier einem festen Bestandteil der kindlichen Entwicklung dar.  Damit Sporterziehung richtig funktionieren kann, habe ich mir ein paar Schritte notiert. Es sei an dieser Stelle gesagt, dass ich die den Plural “Kinder” in dieser Planung verwende, auch wenn beim eigentlichen Angebot nur ein Kind dabei sein sollte.

Gewaltprävention

Kinder leben in einer Welt voller Gewalt. Sei dies im Fernsehen, auf dem Schulhof, sei es physisch, oder körperlich. Die Thematik des Ringen und Raufen gibt Kindern die Möglichkeit sich mit dem körperlichen Bedürfnis Auseinanderzusetzen, aber geben ihnen zugleich einen sozialisierten Rahmen an dem sie sich halten können. Ein wichtiges Leitziel, was ich mir persönlich hierbei setze lautet: “Füreinander im gegeneinander gerichteten Handlungsgeschehen kämpfen.”   Dies bedeutet es wird nicht gegen einen Gegner, sondern gegen einen Partner gekämpft.  

Berührungsangst verhindern

Ein weiterer Aspekt den ich nennen möchte sind die Berührungsängste. Laut der Zeitschrift “Kiga heute” können Berührungsängste mit einer Unsicherheit in grundlegenden didaktisch-methodischen Entscheidungen bei der Anleitung von Kampfspielen beitragen. Mir ist es deshalb bei dieser Thematik von Bedeutung, dass ich den Kindern schrittweise die Möglichkeit gebe sich an neue Erfahrungen/Situationen zu gewöhnen und ihnen ausreichend Möglichkeit biete mit sich selbst, als auch den jeweiligen Partner zu beschäftigen.Die Kindern müssen lernen Verantwortung für sich, aber auch für ihr gegenüber zu haben.  

Rituale

Neben dem Regeln außerhalb, wie innerhalb des Kampfes tragen Rituale dazu bei einen Kampf zu sozialisieren.  Mir ist es wichtig, dass ich das Regelwerk vor jeder neuen Einheit wiederhole oder ggf. erweitere. Zum Anderen ist es mir wichtig, dass ich den Kindern beim Begrüßen, wie auch beim Abschied eine kurze Konzentrationsphase biete bei der man sich sammeln und innerlich vorbereiten kann. Nach jedem Abschluss geschieht eine kleine Reflexionsrunde ( Bezug auf Regeln) um Unstimmigkeiten zu klären und langsam wieder zur Ruhe zu kommen.  

Kinder brauchen Rituale, da immer wiederkehrende Abläufe Geborgenheit und Halt schenken und sie zudem das Ich und- Wir Gefühl beeinflussen können.

Einhaltung des Regelwerks

Für mich als Erzieher bedeutet dies, dass ich die Regeln genau mit den Kindern besprochen habe, über mögliche Sanktionen bei Regelbruch mit den Kindern erläutert habe( Z.B. einen Punktabzug), aber auch darauf achte, dass die Regeln im vereinbarten Rahmen akzeptiert und eingehalten werden. Wie beginnt man ein Kampfspiel? Wie hört es auf? Wo liegt die Grenze zwischen mir und meinem gegenüber?

Welche Sicherheitsmaßnahmen brauchen wir? Gibt es eine Stoppregel?

Dies sind Fragen mit denen ich mich mit den Kindern auseinandersetzen muss um einen sozialen Rahmen zu schaffen. Entscheidend ist hierbei die konsequente Einhaltung der eingeführten Rituale, Regeln (usw.), als auch die gut durchdachte Planung von kooperativen Spiel und Übungsformen zur Vorbereitung auf das Thema Ringen und Raufen.

Kooperation und Vertrauen

Am Anfang von allen steht der Aufbau einer Vertrauensbasis.Damit ich den Kindern einen sozialisierten Rahmen eines Kampfspiels bieten kann ist es relevant, dass sie eine Vertrauensbasis zu ihrem Kampfpartnern aufbauen. Erst durch das verstehen und handeln des Anderen, als auch von einem selbst versteht das Kind, was Kooperation überhaupt bedeutet. Habe ich mich sicher gefühlt? Kann ich meinem Partner trauen? Wie hat sich mein Partner gefühlt? Dies sind alles Fragen, die ich mit den Kindern klären muss um ein die eigenen, als auch die Gefühle des Partners zu sensibilisieren.

Warm up

Das Aufwärmen hat neben dem ” warm up” auch das Ziel, dass die Kinder durch kreative Ideen bei Bewegungspielen ihre eigene Kreativität zeigen dürfen. So ist es z.b bei Spielen, wie Schwarzer Peter nötig eine Bewegung vor zu machen, die alle andere Nachahmen. Da ich nicht bestimmten möchte, welches Spiel wir spielen , werde ich den Kindern hier den gezielten Freiraum lassen. Die Kinder bekommen somit auch ein Gefühl der Demokratie vermittelt, da wir durch Abstimmen, sowieso Mitspracherecht eine gemeinschaftliche Lösung finden.

Generell gehört das Turnen zur Bewegungserziehung und fördert einerseits den Muskelaufbau. Auf der anderen Seite ist es die natürliche Lebensfreude von Kindern.Sie sind meist voller Energie und benötigen dafür ein Ventil. Es dient dazu die motorischen Fähigkeiten zu stärken und gewährleistet so eine gesunde Entwicklung.

Regeln könnten wie folgt aussehen:

1) Wir achten auf uns

2) Nicht an der Kleidung ziehen.

3) Nicht treten, beißen, oder schlagen.

4) Unter der  Gürtellinie und im Brustbereich sind Sperrzone.

6) Bei Regelverstoß hat der andere einen Punkt gewonnen

7) Bei “STOP” wird das Spiel eingefroren.

Die Spiele, welche ich mit den Kindern spiele habe ich im Vorfeld ausprobiert und nach meinem Geschmack verändert.  Materialien die ich benötige habe ich im Vorfeld zurückgelegt.

Als Kind habe ich immer die Konfrontation gesucht. Mir ist dabei aufgefallen, dass die Erzieher zwar öfters das Gespräch mit mir und den jeweiligen Beteiligten Personen gesucht haben. Mir wurde jedoch nie die Möglichkeit geboten mich mit der Thematik von Machtkämpfen etc intensiv zu beschäftigen. Ich möchte den Kindern hier einen Rahmen geben über Kooperation und Konfliktverhalten nachzudenken, aber auch erste Eindrücke in die Welt der Empathie zu gewinnen.

Um ein Vorbild für die Kinder zu sein trage ich Sportkleidung. Im Rahmen der OGS konnte ich eine ganze Serie über das Ringen und Raufen anleiten. Die Erfahrung hier hat gezeigt, dass Kinder&Jugendlichen stets Spaß am Kämpfen hatten, wenn der Rahmen gestimmt hat. Als Resultat konnten mein Partner und ich damals eine viel ruhigere und disziplinierte Gruppe sehen.

Problematik


Unglücklicherweise missachtete ich dabei zunächst eine Tatsache. Die Kinder und Jugendlichen haben evtl. länger Schule, oder haben den Artzbesuch, den sie  wahrnehmen müssen. Dem war auch so! Ein weiteres Problem bei der Planung ergab sich, als mir ein Jugendlicher sagte, dass er doch keine Lust habe, bzw dass er das spontan entscheiden möchte. Eine legitime Aussage, wie ich finde! Ich brauchte also einen Schlachtplan und am Besten von Variation A bis Z. Ich benötigte also ein Bewegungsspiel, was das Interesse der Gruppe weckt, ansprechend für Kinder & Jugendliche ist, aber gleichzeitig lehrend und lernend. Die Wahl viel dabei, für mich, auf das Ringen und Raufen.

Literaturangaben / Quellen *

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