Wie gehe ich mit Partizipation in der OGS um?

Darstellung der theoretischen Grundlagen

„Partizipation heißt, Entscheidungen, die das eigene Leben und das Leben der Gemeinschaft betreffen, zu teilen und gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden“ – Richard Schröder

Regeln und Grenzen ermöglichen ein Zusammenleben in großen und kleinen Gemeinschaften. Wer Partizipation ernst nimmt, muss althergebrachte Regeln hinterfragen  und sie mit Beteiligung der Kinder auch ändern. Das heißt nicht das einseitig angeordnete Regeln überflüssig sind, sondern nur, dass man den Kindern klar machen muss, wieso diese Regeln notwendig sind, um so mit den Kindern in einen Dialog zu treten. So ist die entscheidende Grundhaltung für partizipative Prozesse, die Kinder als Experten in eigener Sache zu sehen sehr wichtig.  Natürlich spielt auch das pädagogische Geschick und das Einfühlungsvermögen eine wichtige Rolle. Doch über sich selbst weiß man letztendlich doch am besten Bescheid.

Wichtig dabei ist auch, dass Beteiligung auch immer etwas mit Machtabgabe zu tun hat. So verzichtet der Erwachsene bewusst auf einen Teil seiner Macht. Eine wichtige pädagogische Frage sollte man sich dabei aber stellen, wie viel Macht will, darf oder kann ich den Kindern geben? Dabei spielen viele Faktoren in die Entscheidung hinein,  zum einen Zutrauen an die Kinder, aber auch an sich selbst.


Eine im Kindergarten heute befragte Erzieherin antwortete auf die Frage, was die wichtigsten Erfahrungen, seit der Einführung der Partizipation, dass sie die Kinder ernster nimmt. Ich verstehe diese Aussage und kann ihr zustimmen, jedoch bringt Partizipation auch viele weitere Aspekte mit sich. So steigert Partizipation auch die Bewältigungskompetenzen, so können die Kinder:

  • Probleme als bewältig bar erleben,
  • gemeinsam Probleme lösen und sich bei anderen Hilfe holen,
  • bei anderen Kindern unterschiedliche Bewältigungsstrategien erleben,
  • erfahren, Konflikte auszutragen, statt sie zu verdrängen,
  • sich unabhängig von Erwachsenen erleben.

Jedoch sollte man auch seine eigene Haltung und die Reflexionsfähigkeit des eigenen Handelns einen besonderen Stellenwert einräumen. Dabei ist es sinnvoll zu , ob man sich auf Augenhöhe mit den Kindern befindet:

  • Kann ich mein Erwachsenenwissen in den Beteiligungsprozessen mit den Kindern zurückhalten?
  • Traue ich allen Kindern zu, Lösungen für ihre Probleme zu finden?

Handwerkszeug für den Partizipationsprozess

Ich habe ein sehr visuelles Gedächtnis. Daher habe ich mir die wichtigsten Werkzeuge des Partizipationsprozesses als Grafik konstruiert, um anhand dieser Praktik arbeiten zu können.

Stufen der Beteiligung

So funktionieren Partizipationsprojekte

Abstimmungsmöglichkeiten

  • Handzeichen
  • Ampelabstimmung

Rot: „Ich bin dagegen.“

Grün: „Ich bin dafür“

Gelb: „Ich kann mich nicht entscheiden.“

  • Muggelsteine auf Bilder legen

Stein auf Bild der Entscheidungsmöglichkeiten legen

  • Verdeckte Abstimmung

ähnlich dem Gang zur Wahlurne

  • Waagschale

Stein auf eine alte zweiseitige Waage -> gut um „Gewicht der Stimme“ zu zeigen

Quelle: Kindergarten heute – Partizipation in der Kita

Meine Anwendung in der Praxis

Noch vor ein paar Tagen konnte ich mit dem Begriff Partizipation nichts anfangen. Jedoch erkenne ich nach dem ersten vertraut machen der Thematik, die Notwendigkeit für den pädagogischen Alltag, gemeinsam mit den Kindern eine Lösungen für diverse Entscheidungen zu suchen, oder sie aktiv an unserer AG mitwirken zulassen. Dies sind auf jeden Fall Ziele, die ich mir für die AG wünsche und versuche, sie bestmöglich umzusetzen. Hierfür habe ich mir eine erste Methodik überlegt. Ich werde  die Woche über, während unsere AG nicht stattfindet, einen Wunsch-AG Zettel aushängen, an dem die Kinder potenzielle Themen wünsche für die kommenden Stunden notieren können.  Dies werde ich in der nächsten Woche starten. Anschließend werde ich zusammen mit der Gruppe überlegen, welche Themen sich umsetzen lassen, nachdem die Abfrage ausgewertet wurde.

Nach diesem Schritt werde ich die verabredeten  Themen planen und dann durchführen, wie die Kinder es vorgeschlagen haben.

26.09.13

Ich habe einen Zettel angefertigt und den Kindern ihre Möglichkeit bei der Mitgestaltung der AG erklärt. Um dies so transparent wie möglich zu halten, habe ich bei den Kindern den Zettel und den Ablauf für die Themenauswahl aufgezeigt, sodass die Kinder genau wissen wie sie Themen mitbestimmen können zudem habe ich angekündigt das in der OGS Halle eine Wunschliste für die Themen aufhänge.

10.09.13

Heute habe ich die Liste, mit den Wunschthemen der Kinder,  vom Aushang abgehangen und mit den Kindern die Ergebnisse ausgewertet. Die Mehrheit der Kinder wünschte sich zu backen. Wir haben uns darauf geeinigt, dies in der anstehenden Weihnachtszeit zu realisieren. Etwas schade daran fand ich, dass die Kinder sich untereinander sehr stark beeinflussten. Wenn einer Backen sagte, wollten alle backen. Hierbei  wurden diverse Dinge genannt, die man backen könnte und es fiel schwer, die Kinder wieder dahin zu führen, andere Vorschläge der Zettel in den Fokus zu bekommen. Hier werde ich mir eine neue, bessere Methode überlegen müssen. Als weites Thema wurde Fußball notiert. Ich habe die Kinder gesagt das wir auch dieses Thema angehen werden jedoch nächste Woche erst einmal die Wunsch AG Besuch von meinem Lehrer bekommt.

07.11.13

Ich habe mit Betreuer 1 die Idee entwickelt das Thema Ringen und Raufen erweitert zu bearbeiten und dies als Anlass dafür zu nehmen, zusammen mit den Kindern Regeln für die Gruppe zu erarbeiten. Dies werden wir in einem kleinen Projekt thematisieren und ausarbeiten. Hier sollen die Kinder selbstständig Regeln für das Projekt vorschlagen umso mehr aufeinander zu achten. Betreuer 1 wird hier seinen Schwerpunkt setzen und die Leitung übernehmen. Ich werde ihn beratend zur Seite stehen. Beispielsweise war es mir sehr wichtig die Kinder an der Erschaffung eines Regelwerks für dieses Projekt zu beteiligen sodass die Kinder selber das Ruder in die Hand bekommen und entscheiden was erlaubt ist und was nicht. Ich halte dies grade für sinnvoll um bei den Kindern die Bewältigungskompetenz zu fördern und sich als Gruppe zu erleben, um die Kleingruppen wie es bei der Durchführung meines Angebotes war zu lösen. 

14.11.13

Das Ringen und Raufen Projekt war eine gute Möglichkeit die Kinder an einem Angebot mitwirken zulassen. Ich finde, dass dies ein weiterer großer Erfolg war.

Mit einer weiteren Planung möchte ich noch einen Schritt weitergehen und eine Kinderkonferenz in Form einer Umfrage durchführen. Hier sollen die Kinder die letzten Stunden reflektieren, sowie auch  die zukünftigen Aktivitäten und Themenvorschläge. Ich denke, dass das ein guter nächster Schritt ist, um den Kindern zu zeigen, dass wir ihre Meinung schätzen und es ohne sie die AG nicht geben würde.

21.11.13

Die Umfrage wurde von den Kindern an sich zu Beginn gut aufgenommen. Jedoch waren die Fragen meinerseits zu offen und ohne einen Rahmen zu schaffen, das z.B. Kind 1 fiel nichts ein, was er auf seinen Zettel schreiben sollte. Ferner hatte er Angst, etwas Falsches zu schreiben, was ich so definitiv nicht geplant oder beabsichtigt hatte. Allgemein haben die Kinder sehr viel voneinander abgeschrieben. Viele waren eher unmotiviert mitzubestimmen. Hier werde ich nochmal über diese Methode nachdenken müssen.Eine erarbeitende Methode, bei der ich mehr moderiere, wäre wohl sinnvoller gewesen. Ich werde jedenfalls nochmal eine Kinderkonferenz starten, bei der ich meine gewonnen Erkenntnisse verwerten werde. Gerade weil dies eigentlich Probleme sind, die im Kindergarten heute genannt werden, ärgert es mich nicht, daran gedacht zu haben.

28.11.13

Die Kinder sind mit uns, auf die Idee gekommen, die Regeln vom Ringen und Raufen, in einer abgewandelten Form, auch während der anderen Angebote geltend zu machen. So haben wir die Ruhematte jetzt immer eingeführt, wenn gleich es jetzt ein Ruheteppich ist. Man bemerkt, dass die Kinder sich selber disziplinieren und es allgemein ruhiger geworden ist. Ich halte dies für eine sehr erfreuliche Entwicklung.

25.12.13

Jetzt in den Ferien kam die Überlegung, dass Betreuer 1  und ich, in der ersten Stunde erneut eine Kinderkonferenz abhalten möchten. Diese möchte ich  jedoch einfacher und verständlicher machen und mehr Bezüge auf die AG bringen, damit sie besser als die erste Kinderkonferenz wird. Hierfür habe ich mir überlegt, dass es gut sein könnte, wenn man erst einmal alle „abgearbeiteten“ Themen reflektiert, um zu gucken, was den Kindern gefallen  hat, was man nochmal machen, oder auch, ob man  neue Aufgaben findet, die auch interessant  sein könnten. Außerdem muss ich auch noch über die Methodik der Abstimmung nachdenken, damit auch diese leichter verständlich wird.

09.01.13

Ich finde, dass die zweite Kinderkonferenz sehr viel besser gelaufen ist, als die erste und ich konnte sehr viele Dinge besser durchführen, wie zuvor. Zwar fiel es mir nicht so leicht, das Geschehen zu moderieren, aber das ist nochmal eine ganz andere Thematik, an der ich separat arbeiten muss. Aufgefallen ist mir, dass die Kinder Kind 1, der ein paar Mal gestört hat, von den Kindern auf die Regeln hingewiesen wurde. Auch gefiel mir sehr gut, wie die Kinder um das nächste Thema debattierten. Zwar fiel es den Kindern zunächst schwer, auf die Meinung der anderen Kinder Rücksicht zu nehmen, jedoch ergab sich die Themenfindung bei den Kindern schneller und im moderaten Kontext.

Reflexion

Meine Entwicklungsfrage hat mich auf jeden Fall sensibilisiert für eine Thematik, die zwar in jeder Konzeption auftaucht, jedoch in der Praxis kaum Anwendung findet. Ich habe mich dieser Herausforderung gestellt und versucht eine bestmögliche Umsetzung zu gewährleisten. Die Rahmenbedingungen waren dabei nicht optimal. Partizipation kann sehr viel tiefer gehen, als das was ich gemacht habe. Ich habe mir Möglichkeiten für eine Umsetzung überlegt und diese dann auch umgesetzt. Diese sind von den Kindern in vielen Situationen gut angenommen worden.  

Ein Einbezug der Elternarbeit könnte aber eine viel allgegenwärtigere Form der Partizipation schaffen. Es wurde mir aufgrund von verschiedenen Faktoren, wie z.B. die Tatsache, nur einmal die Woche die Einrichtung aufsuchen zu können, verwehrt. 
Die OGS beschreibt in ihrer Konzeption auch Ansätze von Partizipation, auf welche ich mehr Bezug nehmen wollte.  Auf Nachfrage wurde mir das Prinzip „wählen der AGs“ erklärt und das es wichtig sei, die Kinder in Entscheidungen mit einzubeziehen.

Auf Grundlage dessen, war es meine Aufgabe immer eine angemessene Form der Partizipation zu finden. Hierbei war ich mir am Anfang sehr unsicher. Ich habe Probleme beim Verbinden von schulischen Inhalten mit der komplexen Praxis gehabt. Deshalb entschied ich mich dafür, Methoden zu testen und nach der Reaktion der Kinder anzupassen. Am Anfang  fanden die Kinder es sehr komisch, über viele Spiele abzustimmen oder Themenvorschläge zu nennen. Jedoch wurde dies, im Laufe der AG, zu einem festen Ritual, welches ich so in der Art verankert habe.


Abschließend bleibt mir noch zusagen, das ich meine ersten intensiveren Erfahrungen mit diesem Thema, in der Praxis, für sehr wichtig halte. Zukünftig werde ich auf den hier erworbenen Erkenntnissen aufbauen.

 

Literaturangaben / Quellen *

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